Ab Wintersemester 2017/18 an der Universität des Saarlandes: Interdisziplinäres Zertifikat „Angewandte Pop-Studien“ der Universität des Saarlandes gemeinsam mit dem PopRat Saarland e.V.

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Die Universität des Saarlandes führt in Kooperation mit dem PopRat Saarland e.V. ab dem Wintersemester 2017/18 ein interdisziplinäres Zertifikat „Angewandte Pop-Studien“ im Bachelor Optionalbereich an der Universität des Saarlandes ein.

Das Zertifikat legt einerseits wissenschafts-theoretische Grundlagen durch eine „interdisziplinäre Einführung in die Popkultur“ (Modul 1.). Hier werden Popkultur-Theorien und –Klassiker behandelt. Ebenso werden Popkulturgenres vorgestellt. Die Entfaltung ihrer Kommunikations- und Durchdringungskraft durch das Zusammenwirken dieser Genres wird ebenso untersucht wie ihr weltweiter Siegeszug sowie ihre regionalen Eigenheiten. Das Zertifikat befasst sich mit inhaltlichen Stärken und Schwächen der Popkultur, mit Massentauglichkeit und Pop-Avantgarde, mit ihrer Fähigkeit zur Abbildung und Bedienung des Massengeschmacks genauso wie ihrer Stärke, den Puls der Zeit fühlbar zu machen und inhaltlich starke Zukunftsentwürfe zu produzieren. Andererseits beinhaltet es eine starke Praxisorientierung (Modul 2 & 3), zum einen durch die zu erarbeitenden Pop-Projekte in Zusammenarbeit mit dem PopRat Saarland in „Pop in der Praxis“ (Modul 2) und zum anderen durch die Vermittlung von Grundlagen für die Selbständigkeit im Bereich Popkultur in „Wirtschaftliche Grundlagen der Pop- und Kreativ-Wirtschaft“ (Modul 3), getragen durch den Gründer-Campus der Universität des Saarlandes und flankiert durch den PopRat Saarland.

Geografisch hat das Zertifikat zwei Schwerpunkte: die USA als Wiege der Popkultur, jahrzehntelanger Teilchenbeschleuniger und gnadenloser Distributor dieser Kultur sowie Heimat der weltweit bedeutendsten Produzenten und Exporteure von Pop-Kultur, andererseits das Saarland und die Großregion und die Chancen und Risiken eines möglichen „Poplandes Saarlandes“ sowie seinen starken Popkulturgenre-Clustern „Musik“, „Urban Art/Street Art“ und „Fantastik“ sowie „Musical“.
Das Zertifikat hat einen Umfang von 24 Credit Points.
Belegt werden müssen Veranstaltungen aus allen drei Modulen:

Modul 1: „Interdisziplinäre Einführung in die Popkultur“: getragen durch Veranstaltungen zum Beispiel in den Fächern Amerikanistik, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft;
– Öffnung bestehender Veranstaltungen in den Fächern für die Studierenden des Zertifikats.
– Angebote und Veranstaltungen befassen sich inhaltlich mit der Geschichte und Theorie der Popkultur oder Klassikern der Popkultur und den Popkulturgenres.
Anhand von Beispielen werden Entstehung und Entwicklung von Pop-Kultur anschaulich vermittelt. Die Studierenden werden befähigt, Pop-Kultur in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext zu situieren und aus diesem heraus zu konzeptualisieren. Medientheoretische Grundlagen werden ebenso vermittelt wie Kernkonzepte der Kultur- und Musikwissenschaft und der Kunstgeschichte. Neben Aspekten ästhetischen Ausdrucks werden dabei die Verwebung kultur-historischer Dimensionen mit der Rolle des technologischen Wandels, sowie der Wirkmacht politischer und staatlicher Akteure analytisch aufgezeigt.

Modul 2: „Pop in der Praxis“ in Kooperation mit dem PopRat bestehend aus einem Pop-Projekt zu aktuellen Themen in der Popkultur.
Studierende erarbeiten Themen eigenständig, reflektiert durch die Expertise von Mitgliedern aus dem PopRat und präsentieren einen Abschlussbericht zum Pop-Projekt. Im Modul kann ein zweites Pop-Projekt absolviert werden oder eine regelmäßig statt findende Vortragsreihe (Ringvorlesung) zu spezifischen Themen aus der Pop-Kultur besucht werden.

Modul 3: „Wirtschaftliche Grundlagen der Pop- und Kreativ-Wirtschaft“. Das Modul soll Grundlagen zur Selbständigkeit im Pop-Bereich vermitteln. Inhalte werden durch den Gründer-Campus der Universität des Saarlandes getragen sowie von Experten aus der Praxis (Öffnung bestehender Veranstaltungen in den Fächern) begleitet. Berufsfelder im Pop-Bereich können in diesem Modul durch ein mindestens vierwöchiges Praktikum im Pop-Bereich mit Unterstützung des Career Centers erkundet werden.

„Wir beschäftigen uns ab dem Wintersemester mit einem spannenden, sehr gegenwärtigen und weltumfassenden Phänomen, das seit Jahrzehnten auch spannende regionale Prägungen hat: der Popkultur. Pop bezeichnet kulturelle Erzeugnisse, Produkte und Alltagspraktiken, die vor allem seit dem 20. Jahrhundert im Zuge der Modernisierung als Massenkultur Verbreitung gefunden haben. Oft erscheint Pop daher als weltweit vereinheitlichte Kultur der Massen. Im Gegensatz zur Volkskultur wirkt Pop-Kultur mit dessen globalen Ikonen und Formationen zunächst nicht wie ein Ausdruck lokaler Gesellschaften und Traditionen, sondern bildet selbst die Grundlagen von Gemeinschaften geteilter Fankulturen, Lebensstilnormen oder auch Konsummustern. Dabei situiert sich gerade die Pop-Kultur immer an der Schnittstelle weltweiter historischer, wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse, deren Verständnis auch für ihre Anwendung wesentlich ist. Pop-Studien bezeichnen die Erforschung von global verschränkten Kulturphänomenen, deren Form und Funktion grundlegend durch Masse und Markt geprägt sind. Mit der Bezeichnung “Pop” – so Thomas Hecken – geht es `in die Bereiche von Popmusik und Hollywoodkino teilweise ebenso tief hinein wie in die von Marketing und Werbung, Wahlkämpfen und Meinungsumfragen, TV-Serials und Illustrierten, Fantreffen und Internetblogs, Mode und Alltagsdesign, Spektakel und Event, DIY und Kulturindustrie´. Diese Phänomen, seine Wurzeln, seinen Werdegang, seine Auswirkungen, seine Stärken und Schwächen – auch im Saarland- wollen wir genauer unter die Lupe nehmen und gleichzeitig den Studierenden theoretische und praktische Basisinstrumente an die Hand geben, möglicherweise ihre berufliche Karriere in einem der vielen Bereiche der Popkultur zu gründen“, sagte die Universitäts-Professorin und Verantwortliche für das Zertifikat, Professorin Dr. Astrid M. Fellner (Amerikanistik).

„Die universitäre Ausbildung mit starkem Praxisbezug ist ein zentraler Leuchtturm unseres Konzeptes `Home of Pop´, weil es die große Chance bietet, die popkulturellen Aktivitäten des Saarlandes wissenschaftlich zu beleuchten und fundierte Erkenntnisse über ein `Popland Saarland´ und seine möglichen Stärken und Schwächen sowie über die Risiken und Chancen der Popkultur fürs Saarland zu generieren. Außerdem bietet es die Möglichkeit, versierte Poparbeiter für das Land auszubilden und junge Menschen für das Thema Popkultur zu begeistern und hoffentlich in der Folge im popkulturellen Berufskontext an das Saarland zu binden. Im Gegensatz etwa zur nahen Popakademie in Mannheim wählt die Universität des Saarlandes den Ansatz, die Popkultur als Gesamtphänomen des Zusammenwirkens aller Popkulturgenres zu sehen: Die Musik steht im Zentrum, aber Popkultur im Wortsinne wird sie erst durch die Symbiose verschiedener Kunstformen, aber auch durch konsequente Bearbeitung von Kommunikations-, Marketing- und Vertriebswegen. Damit übernimmt die UdS den Ansatz des PopRates, ein Ansatz, der für unsere strategische Poparbeit im Saarland steht. Mit Zertifikat und popkulturellem Gesamtansatz werden zwei wesentliche Ideen des PopRates konkret und wirklich, wofür wir uns anderthalb Jahre massiv eingesetzt haben und was uns sehr froh macht. Mein besonderer Dank gilt den Professoren Fellner und Kleinertz, die direkt die Chancen des Zertifikats für die UdS und die Studierenden gesehen haben sowie den PopRäten Miriam Bilke-Perkams, Kai Jorzyk und Samira Scheibner, die mit mir zusammen das Thema an der Uni dauerhaft und erfolgreich penetriert haben sowie unserem leider verstorbenen PopRat-Mitglied und Freund Dr. Dominik Schmitt, mit dem zusammen ich im `Home of Pop´ die theoretische Grundlage formulieren durfte“, sagte der Vorsitzende des PopRates Saarland, Peter Meyer.

Und Dr. Lil Helle Thomas (Kunstgeschichte) ergänzte: „Das Institut für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes vertritt seit vielen Jahren einen bildwissenschaftlichen Ansatz. In der Bildwissenschaft operiert man mit einem dezidiert erweiterten Bildbegriff. Neben den klassischen Bildkünsten (Skulptur, Malerei) widmet man sich ebenso den Gattungen Film und Design sowie etwa den Zeugnissen der Werbung. Spätestens seit dem Iconic Turn wird die Trennung von Hoch- und Popkultur in Frage gestellt. Ziel ist das Vermitteln von Kernkompetenzen in der Analyse von Bildern und Gegenständen. Die Popkultur, die sich grundsätzlich als eine äußerst vielfältige und medial vielgestaltige Bewegung bezeichnen lässt, kann dabei im Speziellen aus Sicht der Kunstgeschichte sowohl ästhetische als auch soziale Positionen formulieren. Neben Klassikern der Pop-Art sind daher ebenso Theorien und Texte der Popkultur zu erörtern (zum Beispel Umberto Eco, Max Imdahl Susan Sontag oder Andy Warhol)“.

Erste Inhalte im Wintersemester 2017/18:

Modul 1: „Interdisziplinäre Einführung in die Popkultur“

Amerikanistik:

Besondere Aufmerksamkeit gilt in den Pop-Studien den USA als dem weltweit bedeutendsten Produzenten und Exporteur von Pop-Kultur. Nicht nur wirtschaftlich und politisch hat das Land, das oft als Geburtsland des Pops gehandelt wird, seit jeher die Verbreitung ihrer Populärkultur aktiv vorangetrieben („American Dream“, „soft power“). Die amerikanische Geschichte und Kultur haben die Grundformen des globalen Pops wesentlich geprägt. Von der Dominanz des heroischen Individuums im filmischen Erzählen, über den Einfluss afro-amerikanischer Kultur auf Musik und Tanz, von Mustern des Vorzeigekonsums („conspicuous consumption“) materieller Güter hin zur „californication“ von Sport- und Essensgewohnheiten und social media Plattformen: die USA bestimmen weiterhin die großen Linien der Pop-Kultur. Die North American Literary and Cultural Studies (NamLitCult) an der Universität des Saarlandes bilden somit einen natürlicher Partner für das Zertifikat Pop-Studien. Bereits bestehende NamLitCult Lehrangebote (siehe unten) vermitteln schon jetzt für Pop-Studien unerlässliche Theorien und Konzepte der Cultural Studies sowie Kenntnisse zu Kultur und Geschichte Nordamerikas.

Kurse in der Amerikanistik im Bereich der Pop Studien im WS 17/18

Mag. Payman Rezwan
“Alcohol, Adultry … and Jesus? An Introduction to Country Music”

In this course, we will take a look at the cultural phenomenon that is country music. From its roots in the Appalachian mountains, to becoming the trigger of Elvis Presley’s successful career, all the way to dominating the American music scene in our day, we will chronicle the genre’s history and investigate how it became the “music of a nation.” The focus of this course will be on how America is represented in country music, especially contemporary country music, with artists such as Garth Brooks, Toby Keith or Taylor Swift, offering a wide array of different topics and dealing with almost every aspect of American life and culture.
There will be a collaboration with students from Tennessee Tech University in Cookeville, TN (Prof. James Akenson).

Mag. Klaus Heissenberger
“Media / Images / Difference: Exploring Visuality and Gender in the Media”

In this course, we will focus on visual media – mostly film, TV, music videos, and visual art – to investigate how these produce the meanings that their viewers find pleasurable, interesting, convincing, repulsive, compelling, etc. Examples in class will range from traditions of painting to classic Hollywood films to music videos. You will learn about and apply independently a selected range of critical theories & methods to analyze – or read critically – different forms and examples of visual media. You are invited to collect and present examples of your own choice in team presentations and discuss them with your colleagues. Specifically, you will examine the examples with regard to difference: What gender and sexual differences (and what ethnic, class or other differences) come into play in any given reading or interpretation? Our overall goal will be to investigate how different theoretical perspectives and approaches make possible different readings (and may exclude others) – and thus to see how difference and identity interact with media images.

Kurse der Kunstgeschichte im Bereich der Pop Studien im WS 17/18

Dr. Bernd Mohnhaupt
„Camp – Pop – Trash: Low culture in der Kunstgeschichte seit den 1950er Jahren“

Der Siegeszug der Pop Art seit den späten 50er Jahren ist nur das bekannteste Beispiel für einen Prozess, der bis heute anhält: die Grenzüberschreitung und Wechselwirkung zwischen „high“ und „low“, zwischen „Massenkultur“ und „Hochkunst“. Diese Entwicklung  hat die Kunstproduktion und -rezeption wie auch die akademische Disziplin der Kunstgeschichte nachhaltig verändert. Im Seminar sollen entsprechende Kunstformen und -werke sowie die einschlägige theoretische Reflexion kritisch analysiert werden.

Modul 2: „Pop in der Praxis“

Projekt:
„Saarland „Musical-Land“? Situation und Potenzial dieses speziellen Kulturgenres im Saarland“- Eine SWAT-Analyse

In Zusammenarbeit mit Mitgliedern des PopRates Saarland.

Modul 3: „Wirtschaftliche Grundlagen der Pop- und Kreativ-Wirtschaft“
Das Modul 3 soll erste wirtschaftliche Kenntnisse zur späteren Arbeit im Kulturbetrieb vermitteln sowie mit Unterstützung des Gründer-Campus der UdS Grundlagen zur selbstständigen Tätigkeit im Kulturbereich legen. Ergänzt wird die theoroetische Reflexion des Arbeitsumfeldes durch eine mindestens vierwöchige Praktikumsphase, die die Studierenden mit Unterstützung das Career Centers der UdS vor- und nachbereiten. Das Praktikum soll Einblicke in mögliche Berufsfelder in der Pop- und Kreativwirtschaft ermöglichen wie zum Beispiel in die Bereiche Musik und Bühne, Kunst und Museum, Literatur, Medien, Bildung, den öffentlichen Sektor sowie weitere Felder der Kultur-Wirtschaft.

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